Neulich… in der Reinigung
oder: Die moderne Form der Inquisition
oder: wie die Kuh in die Reinigung kam und meine Hose auf Kur war
Neulich war es einmal wieder so weit: Ein Berg nichtwaschmaschinentauglicher Kleidungsteile, sprich Businessanzüge und –kostüme, sogenannte Festkleidung und ähnliches musste in die chemische Reinigung gebracht werden. Da die uns bekannten Institute dieser höheren Weihe in der Innenstadt wochentags durchweg früh abends schließen, kann es schon mal vorkommen, dass die Linksunterzeichnerin an einem Samstag morgen (bitte vor 12 Uhr, dann wird geschlossen), im Joggingdress und leicht zerzaust mit 1-2 Körben voller Kleidung solch ein Etablissement betritt, während vor der Tür – selbstverständlich im Halteverbot – der beste aller Parksünder das Fluchtauto bereit hält. So auch neulich. Nachdem ich erst einer umständlichen Diskussion zwischen der Kundin vor mir und der Bedienung über die Einlieferung von 3 Stück Bettwäsche in die sogenannte Mangelwäsche (dauert 1 Woche und ist eben Wäsche plus Mangeln) zuhören durfte, kam mein Auftritt. Den wiederum durften die Herrschaften hinter mir live miterleben. Ein bisschen Gerechtigkeit muß ja im Leben auch sein.
Es begann folgender Dialog: „Wie viele Stück sind das denn?“ „Das weiß ich nicht!“ „Wieso nicht?“ Ich verweigerte die Auskunft. Weiter ging es: „Ist das hier Ihre Hose?“ „Nein, wieso?“ Und weiter: „Was sind das denn für Flecken?“ (Jetzt wurde es aber ein bisschen zu intim, fand ich.) „Das weiß ich leider nicht. Ich weiß nur, dass diese Hose in die Reinigung soll.“ (Fast hätte ich gesagt: „Ich bin doch nur die Praktikantin“). Ungnädig wurden die Gegenstände entgegengenommen.
Dann: „Auf welchen Namen?“ Hinter mir spitzte man die Ohren. Ich nannte meinen Namen. Dann wurde eine ellenlange Liste gelber Zettel ausgedruckt und mir der Gegenwert eines Kurzurlaubes in Rom in bar abverlangt.
Daß ich in Lübeck in der chemischen Reinigung bar zahlen muß, hatte ich ja früh nach meinem Herzug hierher gelernt. Da hatte ich nämlich ganz freundlich gefragt, ob man auch auf Rechnung oder per Lastschrift oder gar per EC-Karte bezahlen dürfe. Die Dame hinter dem Tresen fiel fast in Ohnmacht, als hätte ich ihr einen unsittlichen Antrag gemacht:
„Auf Rechnung? Oh Gott? Nein, das geht nicht.“ Als ich dann noch fragte, ob es ein Abo oder einen Zehnerkarte oder ähnliches gäbe, rief sie fast die Polizei: „Abo? Nein, so etwas gibt es nicht… .“ Mein Einwand, eine vergleichbar große Reinigungskette in Hannover biete so etwas, wurde nur verächtlich geflunscht: „Ach, in Hannover? Naja, Hannover….“
Dann wollte ich auch noch gereinigte Kleidung abholen. Ich war im Besitze einer hübschen Sammlung gelber Zettel. Die Dame brachte also geschäftig diese lustige Sortiermaschine mit den Bügeln in Gang und jagte meine Kleidungsstücke. Und dann hatte ich wieder Pech: Die Dame war eine der „Umpackerinnen“, die größte Gefahr für gereinigte Kleidungsstücke nach kleinen Kindern mit Pommes-Frittes an den Fingern. Diese Umpackerinnen nehmen die frisch gereinigten und gebügelten Gegenstände, packen sie mehr oder minder elegant zusammen, um sie dadurch neu zu zerknüllen, damit sie nach Transport in einer Plastiktüte zu Hause wieder auf einen Bügel kommen – und neu gebügelt werden müssen. Ich schrie also schnell „Halt“ und erjagte die meisten Kleidungstücke auf Bügeln unter Ablegung heiliger Schwüre, diese auch je wieder mitzubringen… Ja. Ja.
Aus Erfahrung klug, inspizierte ich noch einmal jedes Kleidungsstück und fand natürlich auch 2 Hosen mit Flecken, die die Reinigung nicht entfernt hatte. Als ich die Dame darauf hinwies, sagte sie völlig gelassen: „Nein, diese Flecken kriegen wir nicht raus – wir waschen ja nicht, wir reinigen ja nur“. Aha, dachte ich, dafür zahle ich hier also. Ich flehte innerlich den Weißen Riesen und die sieben Dash-Engel an, sie möchten mich erretten und fragte mich: Woher wissen die das denn, wenn Sie gar nicht wissen, was es für Flecken sind?
Die gute Nachricht aber war, dass sich unter den abgeholten Kleidungsstücken auch eine Hose befand, die wir eigentlich als abgängig verbucht hatten. Die Hose war nicht auf einer Dienstreise im Hotel vergessen worden oder gar geklaut, nein sie war halt nur schon etwas länger auf Kur in diesem speziellen Kleideraufbewahrungsdepot gewesen. (Slogan: „Verbringen Sie einige besinnliche Tage unter gleichgesinnten Kleidungsstücken“)
Ermattet verließ ich das Höhere Reinigungsinstitut und verstaute alles sorgfältig im Auto. Der beste aller Fluchtautochauffeure erzählte mir zur Aufheiterung dann, dass er beim letzten Mal, als er diese Inquisition mitmachen musste, zufällig auf ein Kuhfell blickte, das in einem Regal zur Abholung lag. Darauf hin wurde er dann gleich gefragt, ob „das da“ seine Kuh wäre. Als er mehrfach abstritt, wurde ihm geglaubt und ihm erzählt, dass jemand dieses Kuhfell zur Reinigung gegeben hätte, sogar DM 50 angezahlt hätte, es aber nie abgeholt hätte. Also, er war es wirklich nicht. Das hätte ich mitgekriegt.
Jutta Hastenrath