Neulich… beim Sportschuhkauf
Oder: Wie meine Marke mich verlor
Neulich war es so weit. Meine Laufschuhe wollten nicht mehr zusammenhalten. Ersatz musste her. Außerdem stand mein Sinn nach waldlauffähigen Gefährten mit Profilsohle für Auslauf im heimischen Wesloe Forest. Bislang war ich markentreu.
Das Branding hatte mit mir als Kundin gut funktioniert, schon immer. In der Jugend trug ich die mit dem schwarzen Jagdtier, gelegentlich die mit dem Salmiakkaro, seit USA-Zeiten dann die mit dem „Swosh…!“ auch wenn sie in Kinderarbeit hergestellt werden. Was jedenfalls noch nie an meinen Fuß gekommen war, das waren die anderen aus Herzogenaurach. „Ach – die da“ waren immer zu breit – und vor allem zu spießig, geben wir es doch zu.
Und ohne großen Aufwand wollte ich kaufen. Also eilte ich in ein größeres Sportgeschäft, kaufhausähnlich. Diesmal geriet ich an einen Profiverkäufer. Wahrscheinlich selber Marathonläufer, wollte er es ganz genau wissen. Als ich auf 3 Modelle zeigte, die ich gerne anprobieren würde, begann die mittlere Inquisition: „Wo laufen Sie? Wie viel? Wie oft? Was für Schuhe haben Sie bisher?“ Ich wusste das genaue Modell nicht genau, das gab 10 Punkte minus. Als ich locker bemerkte, ein Paar hätte ich wohl ca. 4 Jahre, war es vorbei mit dem Vertrauen beim Verkäufer. „Hm, Laufschuhe wechselt man eigentlich alle 1 – 1,5 Jahre, dann ist die Dämpfung hin“. Ich habe keine Ahnung, wie oft er täglich zwischen Lübeck und Hamburg läuft, aber ich fand, ein bisschen länger könnte ein Schuh beim Freizeitsportler wohl halten. Naja, ich war jedenfalls war bei ihm unten durch.
Nur mit größten Mühen durfte ich nun ein paar Schuhe anprobieren. Und nun geschah das Merkwürdige. Meine bisherige Marke verstand sich nicht mehr mit meinem Fuß! Wahrscheinlich hat eine ganz pfiffige Expertentruppe dort den Leisten geändert, um mehr Kunden glücklich zu machen. Mich leider nicht. Ich musste nun zu anderen Marken greifen. Ich wählte testweise ein Modell von „Ach die da“ mit „Trail“ im Namen.
Der Profi war nun der festen Meinung, es gäbe nur eine Größe, die ich haben dürfe, nämlich mind. 1 Größe größer als mein Normalfall. Er holte die angeblich passende Größe. Als ich das Modell testete, kamen mir die Schuhe zwar grundsätzlich gut vor. In der Länge aber wirkten sie eher luftig vor und ich fand, es habe nicht nur der große Zeh genügend Platz, sondern eigentlich noch mindestens ein kleiner Hamster vor den Zehen. Dies wurde als „genau richtig“ eingestuft. Ich wurde unsicher bei solch geballter Kompetenz. Ansonsten gefielen mir die Schuhe zu meiner Verblüffung richtig gut.
Und dann kam das Totschlägerargument: Ausgerechnet bei dieser Modellserie gäbe es eine Sonderaktion: Man könne sie einen Monat unverbindlich testen und auch getragen zurückbringen. Ich war fasziniert von diesem Marketingtrick und gab mich geschlagen und kaufte mit Umtauschgarantie. Ich wurde markenuntreu.
Und es begann die Testreihe im heimischen Wesloe Forest. Wie passend, dass gerade die Winter-Regenzeit begonnen hatte und sich alle Wege in Crosspisten verwandelt hatten. Genau dafür wollte ich ja die Schuhe haben. Und siehe da, die „Trail“sohle mit Supergripprofil und Bremsstopper hielt super auf allen Unebenheiten. Leider hielt der Schuh nicht so recht an meinem Fuß und machte auch am Ende einer Lauferei immer noch die Dagobert-Duck-Geräusche „quak, quietsch“. Meine Füße wollten einfach nicht auf die vorgeschriebene Größe anschwellen.
Also trug ich eines Tages, meiner Sache ganz sicher, den Originalkarton (komplett unversehrt und ohne Kratzer) wieder in das Kaufhaus. Darin befanden sich die Probe gelaufenen Joggingschuhe inklusive einiger dekorativer Ästlein und Tannenzapfenteile, die sich mit richtig prima deutschem Lehmwaldboden vermischt guten Halt in der prima Profilsohle gesucht hatten. Zielstrebig schritt ich auf die Schuhabteilung zu und sagte nunmehr einer Verkäuferin, ich würde gerne das „Trailmodell“ in der nun eindeutig passenderen Größe (1 ganze Schuhgröße kleiner) anprobieren. Die gab es nur noch als „Wintermodell“, was immer das sein solle. Kein Problem, gesagt, geholt. Diese Schuhe saßen perfekt. Ich outete mich als Umtauscherin und befürchtete lange Erklärungen. Nichts da. Die Verkäuferin nahm das Paket anstandslos und ohne mit der Wimper zu zucken, schaute nur emotionslos nach, ob auch wirklich 2 Schuhe im Karton waren, und schritt mit mir zur Kasse. Ich wurde nun stolze Besitzerin des „Wintermodells“. Was es zum Wintermodell macht? Was glauben Sie? Wasserfest, Schneereifen, ABS und Innenfell? Nein, viel einfacher: Leicht lilablaue Dekostreifen (na klar, drei) an den Seiten. Und 5 Euro teurer als das Umtauschmodell.
Es gab dann nur einen kleinen Unterschied zum ersten Kaufanlauf: Diesmal erhielt ich keinen schicken Coupon, der mich zum unverbindlichen Probelaufen mit Umtauschgarantie aufforderte. Schade eigentlich. Das fing gerade an, Spaß zu machen.