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	<title>Neulich...</title>
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	<description>Ein Blog der Dr. Hastenrath GmbH</description>
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		<title>Neulich&#8230; beim Sportschuhkauf</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 22:31:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Jutta Hastenrath</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: Wie meine Marke mich verlor Neulich war es so weit. Meine Laufschuhe wollten nicht mehr zusammenhalten. Ersatz musste her. Außerdem stand mein Sinn nach waldlauffähigen Gefährten mit Profilsohle für Auslauf im heimischen Wesloe Forest. Bislang war ich markentreu. Das Branding hatte mit mir als Kundin gut funktioniert, schon immer. In der Jugend trug ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Oder: Wie meine Marke mich verlor</h4>
<p>Neulich war es so weit. Meine Laufschuhe wollten nicht mehr zusammenhalten. Ersatz musste her. Außerdem stand mein Sinn nach waldlauffähigen Gefährten mit Profilsohle für Auslauf im heimischen Wesloe Forest. Bislang war ich markentreu.</p>
<p>Das Branding hatte mit mir als Kundin gut funktioniert, schon immer. In der Jugend trug ich die mit dem schwarzen Jagdtier, gelegentlich die mit dem Salmiakkaro, seit USA-Zeiten dann die mit dem „Swosh&#8230;!“ auch wenn sie in Kinderarbeit hergestellt werden. Was jedenfalls noch nie an meinen Fuß gekommen war, das waren die anderen aus Herzogenaurach. „Ach &#8211; die da“ waren immer zu breit – und vor allem zu spießig, geben wir es doch zu.<span id="more-40"></span></p>
<p>Und ohne großen Aufwand wollte ich kaufen. Also eilte ich in ein größeres Sportgeschäft, kaufhausähnlich. Diesmal geriet ich an einen Profiverkäufer. Wahrscheinlich selber Marathonläufer, wollte er es ganz genau wissen. Als ich  auf 3 Modelle zeigte, die ich gerne anprobieren würde, begann die mittlere Inquisition: „Wo laufen Sie? Wie viel? Wie oft? Was für Schuhe haben Sie bisher?“ Ich wusste das genaue Modell nicht genau, das gab 10 Punkte minus. Als ich locker bemerkte, ein Paar hätte ich wohl  ca. 4 Jahre, war es vorbei mit dem Vertrauen beim Verkäufer. „Hm, Laufschuhe wechselt man eigentlich alle 1 – 1,5 Jahre, dann ist die Dämpfung hin“. Ich habe keine Ahnung, wie oft er täglich zwischen Lübeck und Hamburg läuft, aber ich fand, ein bisschen länger könnte ein Schuh beim Freizeitsportler wohl halten. Naja, ich war jedenfalls war bei ihm unten durch.</p>
<p>Nur mit größten Mühen durfte ich nun ein paar Schuhe anprobieren. Und nun geschah das Merkwürdige. Meine bisherige Marke verstand sich nicht mehr mit meinem Fuß! Wahrscheinlich hat eine ganz pfiffige Expertentruppe dort den Leisten geändert, um mehr Kunden glücklich zu machen. Mich leider nicht. Ich musste nun zu anderen Marken greifen. Ich wählte testweise ein Modell von „Ach die da“ mit  „Trail“ im Namen.</p>
<p>Der Profi war nun der festen Meinung, es gäbe nur eine Größe, die ich haben dürfe, nämlich mind. 1 Größe größer als mein Normalfall. Er holte die angeblich passende Größe. Als ich das Modell testete, kamen mir die Schuhe zwar grundsätzlich gut vor. In der Länge aber wirkten sie eher luftig vor und ich fand, es habe nicht nur der große Zeh genügend Platz, sondern eigentlich noch mindestens ein kleiner Hamster vor den Zehen. Dies wurde als „genau richtig“ eingestuft. Ich wurde unsicher bei solch geballter Kompetenz. Ansonsten gefielen mir die Schuhe zu meiner Verblüffung richtig gut.</p>
<p>Und dann kam das Totschlägerargument: Ausgerechnet bei dieser Modellserie  gäbe es eine Sonderaktion: Man könne sie einen Monat unverbindlich testen und auch getragen zurückbringen. Ich war fasziniert von diesem Marketingtrick und gab mich geschlagen und kaufte mit Umtauschgarantie. Ich wurde markenuntreu.</p>
<p>Und es begann die Testreihe im heimischen <em>Wesloe Forest</em>. Wie passend, dass gerade die Winter-Regenzeit begonnen hatte und sich alle Wege in Crosspisten verwandelt hatten. Genau dafür wollte ich ja die Schuhe haben. Und siehe da, die „Trail“sohle mit Supergripprofil und Bremsstopper hielt super auf allen Unebenheiten. Leider hielt der Schuh nicht so recht an meinem Fuß und machte auch am Ende einer Lauferei immer noch die Dagobert-Duck-Geräusche „quak, quietsch“. Meine Füße wollten einfach nicht auf die vorgeschriebene Größe anschwellen.</p>
<p>Also trug ich eines Tages, meiner Sache ganz sicher, den Originalkarton (komplett unversehrt und ohne Kratzer) wieder in das Kaufhaus. Darin befanden sich die Probe gelaufenen Joggingschuhe inklusive einiger dekorativer Ästlein und Tannenzapfenteile, die sich mit richtig prima deutschem Lehmwaldboden vermischt guten Halt in der prima Profilsohle gesucht hatten. Zielstrebig schritt ich auf die Schuhabteilung zu und sagte nunmehr einer Verkäuferin, ich würde gerne das „Trailmodell“ in der nun eindeutig passenderen Größe (1 ganze Schuhgröße kleiner) anprobieren. Die gab es nur noch als „Wintermodell“, was immer das sein solle. Kein Problem, gesagt, geholt. Diese Schuhe saßen perfekt. Ich outete mich als Umtauscherin und befürchtete lange Erklärungen. Nichts da. Die Verkäuferin nahm das Paket anstandslos und ohne mit der Wimper zu zucken, schaute nur emotionslos nach, ob auch wirklich 2 Schuhe im Karton waren, und schritt mit mir zur Kasse. Ich wurde nun stolze Besitzerin des „Wintermodells“. Was es zum Wintermodell macht? Was glauben Sie? Wasserfest, Schneereifen, ABS und Innenfell? Nein, viel einfacher: Leicht lilablaue Dekostreifen (na klar, drei) an den Seiten. Und 5 Euro teurer als das Umtauschmodell.</p>
<p>Es gab dann nur einen kleinen Unterschied zum ersten Kaufanlauf: Diesmal erhielt ich keinen schicken Coupon, der mich zum unverbindlichen Probelaufen mit Umtauschgarantie aufforderte. Schade eigentlich. Das fing gerade an, Spaß zu machen.</p>
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		<title>Neulich&#8230; beim Blumenkauf</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 22:29:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Jutta Hastenrath</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie unsere Reporterin Jutta Hastenrath neue Pflanzenkunde lernte und sich über viele Eier wunderte Neulich, genauer gesagt um die Osterzeit, erhielt ich ein Geschenk. Es handelte sich um ein Gesteck aus mehreren eingefärbten Bambusstangen, in deren Mitte sich ein Reagenzglas befand mit einer (sic!) sehr schönen Gerbera, umgeben von einigen Blattteilen einer Fetthenne und dekoriert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Wie unsere Reporterin Jutta Hastenrath neue Pflanzenkunde lernte und sich über viele Eier wunderte</h4>
<p>Neulich, genauer gesagt um die Osterzeit, erhielt ich ein Geschenk. Es handelte sich um ein Gesteck aus mehreren eingefärbten Bambusstangen, in deren Mitte sich ein Reagenzglas befand mit einer (sic!) sehr schönen Gerbera, umgeben von einigen Blattteilen einer Fetthenne und dekoriert mit einigen Eierschalen, Moosflocken und Holzstäbchen, eingebettet in einen sportlichen Metallbehälter. Objektiv betrachtet ein sehr schönes Arrangement und stilvoll. Auf meine Nachfrage, woher das Arrangement denn käme, wurde mir ein Florist* genannt.<span id="more-38"></span></p>
<p>Kurz danach wollte ich Freunden ein Geschenk machen und dachte, ich könnte ja mal ein wenig in der Stadt schauen, was es denn so schönes im Bereich Flora* gäbe. Da ich eher dem Traditionslager der Blumenkäufer angehöre und Blumen* eher auf dem Markt und im Rohzustand erwerbe, ging ich also zwecks erweiterter Marktrecherche und Inspiration auf Schaufensterbummel im Fachhandel. Der erste Laden bot überwiegend fertig gesteckte Kränze und Kleinsträuße, der zweite ein rührend dünnes Sortiment einsamer Blumen in großen Vasen, der dritte vereinzelte Blumen in aufwendigen Dekorationsarrangements, und beim vierten, bisher durchaus ein Händler meines Vertrauens,  traf mich der Schlag. Mittlerweile war es bereits dunkel und nach Ladenschluss. Ich blickte in ein beleuchtetes Schlachtfeld aus mindestens 247 zerschlagenen Eierhülsen, die das ganze Fenster okkupierten. Weit und breit war keine Blume in Sicht.</p>
<p>Hatte ich etwas verpasst, war die Blumenhändlerin aus- und ein Eierhändler eingezogen?</p>
<p>Bei genauer Betrachtung identifizierte ich im hintersten Winkel des Ladens etwas. Die Blume. Unerreichbar und fern. Was wollte der Laden mir mit diesem Arrangement sagen? Kauft mehr Eier!? Oder „wir sind leider ausverkauft an Blumen, heute nur Eierschalen?“ Oder „Achtung, Ostern! Kauft Ostergestecke?“</p>
<p>Ratlos wanderte ich weiter und sah noch mehrfach ähnlich verstörende Bilder: Blumenfreie Zonen bei den Floristen. Welcher Krieg hatte hier gewütet, wo sind all die Blumen hin, wo sind sie geblieben?</p>
<p>Designorientierte Menschen klärten mich auf: Die Antwort auf meine Fragen heißt „Trendfloristik“. Das bedeutet weitestgehenden Verzicht auf noch lebende Pflanzen und eine drastische Reduzierung des Grünanteils in allen Produkten. Trendfloristische Kunstwerke tut man auch nicht in „Vasen“, &#8211; die kommen in Gefäßen, fix und fertig gestaltet. Dafür brauchen sie dann oft auch kein Wasser. Ist natürlich sehr haltbar – neudeutsch „unkaputtbar“ oder „nachhaltig“.</p>
<p>Ich entschied mich für ein Weingeschenk an meine Freunde.</p>
<p>Nun neulich, im Frühsommer, erreichte unseren Haushalt wieder ein so ein dekoratives Geschenk, eine kunstvolle Installationen in Terrakotta und Gelb. Nachdem ich das Kunstwerk ausreichend bestaunt hatte, zwischen der Zauberwatte, den Glitzerbändern und dem Dekodraht auch das Gewächs identifiziert hatte, fand ich den Beipackzettel:</p>
<p>„Dieser Ornithogalum liefert zwei (sic!) Stiele mit Blüten. Dadurch werden Sie sich sehr freuen an diesem Zwiebelgewächs. Sie können den Ornithogalum sowohl an einem dunklen Standort als an einen hellen Standort in Ihrer Wohnung stellen. 1 x pro Woche gießen. Wenn die Pflanze ausgeblüht ist können Sie sie in den Garten einpflanzen.“</p>
<p>Nun fand ich, waren Grenzen des guten Geschmacks überschritten worden. Erst die Pflanze in aller Öffentlichkeit „ausblühen“, sprich verwelken, lassen und dann die tote Materie auch noch auswildern müssen? Nur weil sich hier die Trendfloristik ein Mahnmal setzten möchte? Nein, nicht mit mir. Der Ornithogalum durfte brav und in großer Anmut seine zwei Stiele abblühen, und dann musste er leider das Haus verlassen.</p>
<p>Können wir nicht einfach so wie früher handeln? Blumen schneiden, in die Vase geben, sich dran freuen, und wenn sie durch sind, diskret auf den Kompost werfen? Ist nicht gerade das Vergängliche, die Reihenfolge von Knospe, wilder Blüte und reifem Abgang das, was wir mit Flora* meinen? Wer will schon Ostergrüße, haltbar bis in alle Ewigkeit? Und lieben wir nicht gerade das zufällig lässige echter Blumensträuße* ?</p>
<p>Ich plädiere für einen neuen Trend: Die „Pur-Floristik“. Garantiert gedönsfrei und vergänglich, einfach „Blume“*. Dies ist gleichzeitig konjunkturbelebend und könnte sogar politisch korrekt gestaltet werden, wenn wir die Pflanzen aus der Region kaufen. Die Reste der bereits im Umlauf befindlichen Trendkunstwerke können bei Ebay der nachhaltigen Wiederverwertung zugeführt werden. Gute Bürger kaufen jede Woche Blumen!</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p>[Stellungnahme des Lübecker Forschungsbüros für Floristik: <em>Im Marktsegment der mild verzweifelten, gut genährten Exyuppies, Exhippies, Exshopper und Exworkoholics zeigt sich eine zunehmende Verweigerungshaltung gegenüber institutionaliserten Geschmacksvorschriften. Der Trend geht vielmehr zum Chaotischen, Wilden, Lebensnahen, fast Originären. Die Nachfrage nach korpulenten, sinnenfrohen, ja sogar bunten, Naturelementen aus artgerechter Aufzucht zieht spürbar an. Wir empfehlen unseren Kunden eine Optimierung ihres Sortimentes durch Verringerung des Nonflowerbereiches zugunsten der Reallifeprodukte. Wir erwarten dadurch eine spürbare Konsumbelebung. Assoziierte Händler können die Zertifizierung „Pur-Floristik“ für „naturnahe Floristik“ erreichen und dies durch ein Signet dokumentieren.] </em></p>
<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</em></p>
<p><em>*Definitionen: </em></p>
<p><em>Flora: Mindestens Grün enthaltend<br />
</em><em>Blume: Unten Grün, oben Blüte.<br />
</em><em>Blumenstrauß: Gebinde aus mehr als 2 Pflanzenstielen</em></p>
<p><em>Florist/in: Kreatives Handwerk, Gestalter/in u. Händler/in von und mit Flora*</em></p>
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		<title>„Neulich“&#8230; in der Marktwirtschaft</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 22:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Jutta Hastenrath</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier spricht die Marktteilnehmerin Dr. Jutta Hastenrath und berichtet über Ihre Erlebnisse als Konsumentin im Oberzentrum Lübeck und seiner idyllischen Umgebung. Ein gewisser Einfluss ihrer langjährigen Berufstätigkeit als Unternehmensberaterin kann nicht abgestritten werden, ist doch die (teilnehmende) Beobachtung die Vorstufe der Analyse und diese die Grundlage von Entscheidungen und Handlungen. Hinweise auf weitere Erlebnisparks werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier spricht die Marktteilnehmerin Dr. Jutta Hastenrath und berichtet über Ihre Erlebnisse als Konsumentin im Oberzentrum Lübeck und seiner idyllischen Umgebung. Ein gewisser Einfluss ihrer langjährigen Berufstätigkeit als Unternehmensberaterin kann nicht abgestritten werden, ist doch die (teilnehmende) Beobachtung die Vorstufe der Analyse und diese die Grundlage von Entscheidungen und Handlungen. Hinweise auf weitere Erlebnisparks werden dankend entgegengenommen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Neulich… in der Reinigung</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 13:50:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Jutta Hastenrath</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Dienstleistung]]></category>
		<category><![CDATA[Lübeck]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Trends]]></category>

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		<description><![CDATA[oder: Die moderne Form der Inquisition oder: wie die Kuh in die Reinigung kam und meine Hose auf Kur war Neulich war es einmal wieder so weit: Ein Berg nichtwaschmaschinentauglicher Kleidungsteile, sprich Businessanzüge und –kostüme, sogenannte Festkleidung und ähnliches  musste in die chemische Reinigung gebracht werden. Da die uns bekannten Institute dieser höheren Weihe in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>oder: Die moderne Form der Inquisition</h3>
<h4>oder: wie die Kuh in die Reinigung kam und meine Hose auf Kur war</h4>
<p>Neulich war es einmal wieder so weit: Ein Berg nichtwaschmaschinentauglicher Kleidungsteile, sprich Businessanzüge und –kostüme, sogenannte Festkleidung und ähnliches  musste in die chemische Reinigung gebracht werden. Da die uns bekannten Institute dieser höheren Weihe in der Innenstadt wochentags durchweg früh abends schließen, kann es schon mal vorkommen, dass die Linksunterzeichnerin an einem Samstag morgen (bitte vor 12 Uhr, dann wird geschlossen), im Joggingdress und leicht zerzaust mit 1-2 Körben voller Kleidung solch ein Etablissement betritt, während vor der Tür – selbstverständlich im Halteverbot – der beste aller Parksünder das Fluchtauto bereit hält. So auch neulich. Nachdem ich erst einer umständlichen Diskussion zwischen der Kundin vor mir und der Bedienung über die Einlieferung von 3 Stück Bettwäsche in die sogenannte Mangelwäsche (dauert 1 Woche und ist eben Wäsche plus Mangeln) zuhören durfte, kam mein Auftritt. Den wiederum durften die Herrschaften hinter mir live miterleben. Ein bisschen Gerechtigkeit muß ja im Leben auch sein.<span id="more-20"></span></p>
<p>Es begann folgender Dialog: „Wie viele Stück sind das denn?“ „Das weiß ich nicht!“ „Wieso nicht?“ Ich verweigerte die Auskunft. Weiter ging es: „Ist das hier Ihre Hose?“ „Nein, wieso?“  Und weiter: „Was sind das denn für Flecken?“ (Jetzt wurde es aber ein bisschen zu intim, fand ich.) „Das weiß ich leider nicht. Ich weiß nur, dass diese Hose in die Reinigung soll.“ (Fast hätte ich gesagt: „Ich bin doch nur die Praktikantin“). Ungnädig wurden die  Gegenstände entgegengenommen.</p>
<p>Dann: „Auf welchen Namen?“ Hinter mir spitzte man die Ohren. Ich nannte meinen Namen. Dann wurde eine ellenlange Liste gelber Zettel ausgedruckt und mir der Gegenwert eines Kurzurlaubes in Rom in bar abverlangt.</p>
<p>Daß ich in Lübeck in der chemischen Reinigung bar zahlen muß, hatte ich ja früh nach meinem Herzug hierher gelernt. Da hatte ich nämlich ganz freundlich gefragt, ob man auch auf Rechnung oder per Lastschrift oder gar per EC-Karte bezahlen dürfe. Die Dame hinter dem Tresen fiel fast in Ohnmacht, als hätte ich ihr einen unsittlichen Antrag gemacht:</p>
<p>„Auf Rechnung? Oh Gott? Nein, das geht nicht.“ Als ich dann noch fragte, ob es ein Abo oder einen Zehnerkarte oder ähnliches gäbe, rief sie fast die Polizei: „Abo? Nein, so etwas gibt es nicht&#8230; .“ Mein Einwand, eine vergleichbar große Reinigungskette in Hannover biete so etwas, wurde nur verächtlich geflunscht: „Ach, in Hannover? Naja, Hannover&#8230;.“</p>
<p>Dann wollte ich auch noch gereinigte Kleidung abholen. Ich war im Besitze einer hübschen Sammlung gelber Zettel. Die Dame brachte also geschäftig diese lustige Sortiermaschine mit den Bügeln in Gang und jagte meine Kleidungsstücke. Und dann hatte ich wieder Pech: Die Dame war eine der „Umpackerinnen“, die größte Gefahr für gereinigte Kleidungsstücke nach kleinen Kindern mit Pommes-Frittes an den Fingern. Diese Umpackerinnen nehmen die frisch gereinigten und gebügelten Gegenstände, packen sie mehr oder minder elegant zusammen, um sie dadurch neu zu zerknüllen, damit sie nach Transport in einer Plastiktüte zu Hause wieder auf einen Bügel kommen  &#8211; und neu gebügelt werden müssen. Ich schrie also schnell „Halt“ und erjagte die meisten Kleidungstücke auf Bügeln unter Ablegung heiliger Schwüre, diese auch je wieder mitzubringen&#8230; Ja. Ja.</p>
<p>Aus Erfahrung klug, inspizierte ich noch einmal jedes Kleidungsstück und fand natürlich auch 2 Hosen mit Flecken, die die Reinigung nicht entfernt hatte. Als ich die Dame darauf hinwies, sagte sie völlig gelassen: „Nein, diese Flecken kriegen wir nicht raus – wir waschen ja nicht, wir reinigen ja nur“. Aha, dachte ich, dafür zahle ich hier also. Ich flehte innerlich den Weißen Riesen und die sieben Dash-Engel an, sie möchten mich erretten und fragte mich: Woher wissen die das denn, wenn Sie gar nicht wissen, was es für Flecken sind?</p>
<p>Die gute Nachricht aber war, dass sich unter den abgeholten Kleidungsstücken auch eine Hose befand, die wir eigentlich als abgängig verbucht hatten. Die Hose war nicht auf einer Dienstreise im Hotel vergessen worden oder gar geklaut, nein sie war halt nur schon etwas länger auf Kur in diesem speziellen Kleideraufbewahrungsdepot gewesen. (Slogan: „Verbringen Sie einige besinnliche Tage unter gleichgesinnten Kleidungsstücken“)</p>
<p>Ermattet verließ ich das Höhere Reinigungsinstitut und verstaute alles sorgfältig im Auto. Der beste aller Fluchtautochauffeure erzählte mir zur Aufheiterung dann, dass er beim letzten Mal, als er diese Inquisition mitmachen musste, zufällig auf ein Kuhfell blickte, das in einem Regal zur Abholung lag. Darauf hin wurde er dann gleich gefragt, ob „das da“ seine Kuh wäre. Als er mehrfach abstritt, wurde ihm geglaubt und ihm erzählt, dass jemand dieses Kuhfell zur Reinigung gegeben hätte, sogar DM 50 angezahlt hätte, es aber nie abgeholt hätte. Also, er war es wirklich nicht. Das hätte ich mitgekriegt.</p>
<p>Jutta Hastenrath</p>
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